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KI kann viel. Aber sie kann nicht für uns gerade stehen.

von Julius Bertram | 11. Juni 2026 | Analyse & Strategie, Kommunikation & PR

Warum wir bei Makiko KI als Werkzeug nutzen – aber nicht als Ersatz für Haltung, Verantwortung und echte Kommunikation

Künstliche Intelligenz kann inzwischen erstaunlich viel. Sie schreibt Texte, fasst Studien zusammen, entwickelt erste Kampagnenideen, baut Präsentationen, sortiert Tabellen, generiert Bilder, formuliert Mails in „freundlich, aber bestimmt“ und rettet damit wahrscheinlich täglich sehr viele Menschen vor sehr passiv-aggressiven Nachrichten.

Kurz gesagt: KI ist praktisch. Manchmal sogar beeindruckend.

Auch bei Makiko nutzen wir KI. Für erste Ideen. Für Struktur. Für Rechercheimpulse. Für Varianten, wenn der Kopf leer ist oder ein Text noch nicht richtig in Bewegung kommt. Manchmal auch einfach, um aus einem wilden Gedankenknäuel einen Anfang zu machen.

Aber genau deshalb beschäftigen wir uns auch intensiv mit ihren Grenzen.

Denn wir arbeiten mit Organisationen, die gesellschaftlich etwas bewegen wollen. Mit NGOs, sozialen Unternehmen, Bildungsprojekten, Initiativen, Stiftungen und Menschen, die oft komplexe, sensible oder politische Themen kommunizieren. Da reicht es nicht, wenn ein Text nur „gut klingt“. Er muss stimmen. Er muss einordnen. Er muss Haltung zeigen. Und er muss zu den Menschen passen, die erreicht werden sollen.

KI kann Inhalte produzieren.

Aber sie kann nicht beurteilen, welche Verantwortung mit ihnen verbunden ist.

Und genau da beginnt ihre Grenze.

KI ist schnell. Aber Geschwindigkeit ist noch keine Qualität.

Natürlich spart KI Zeit. Wer schon einmal versucht hat, aus 17 Stichpunkten, drei alten Konzeptpapieren und einer halben Idee einen ersten Textentwurf zu bauen, weiß: Es ist ein Geschenk, wenn ein Tool Ordnung in das Chaos bringt.

KI kann helfen, Gedanken zu sortieren. Sie kann Varianten formulieren. Sie kann einen Anfang machen, wenn man selbst noch vor dem leeren Dokument sitzt und überlegt, ob „Herzlich willkommen“ wirklich der Tiefpunkt der eigenen Kreativität ist.

Auch in unserer Arbeit kann das sinnvoll sein. Zum Beispiel, wenn wir erste Headline-Richtungen testen, Interviewfragen vorbereiten, lange Briefings zusammenfassen oder verschiedene Tonalitäten durchspielen.

Aber schnell heißt nicht automatisch gut.

Ein KI-Text kann professionell klingen und trotzdem am Thema vorbeigehen. Er kann elegant formuliert sein und trotzdem keinen echten Punkt machen. Er kann sprachlich funktionieren und inhaltlich hohl bleiben.

Das merken wir besonders dann, wenn wir für Organisationen schreiben, die eine echte Geschichte haben. Eine Gründung aus Überzeugung. Einen schwierigen Weg. Eine Zielgruppe, die nicht abstrakt ist, sondern aus echten Menschen besteht. Einen politischen Anspruch. Einen sozialen Auftrag.

All das muss man verstehen, bevor man es formuliert.

KI kann dabei unterstützen. Aber sie ersetzt nicht das Zuhören, Nachfragen, Sortieren und gemeinsame Herausarbeiten der eigentlichen Story. Genau das ist bei Makiko oft der wichtigste Teil unserer Arbeit: nicht einfach Text produzieren, sondern herausfinden, was wirklich gesagt werden soll.

KI kennt Muster. Aber keinen Mut.

Generative KI arbeitet mit Mustern. Sie erkennt, welche Wörter, Sätze und Argumentationslinien wahrscheinlich gut zusammenpassen. Genau deshalb kann sie so überzeugend formulieren.

Aber Kommunikation lebt nicht nur von Wahrscheinlichkeit.

Gute Kommunikation braucht manchmal das Unwahrscheinliche. Den ungewöhnlichen Einstieg. Die unbequeme Nachfrage. Den Satz, der nicht allen gefällt, aber endlich etwas klar macht. Die Entscheidung, ein Thema nicht glattzubügeln, sondern seine Widersprüche auszuhalten.

Gerade bei gesellschaftlichen Themen ist das entscheidend.

Wer über Armut spricht, muss aufpassen, Menschen nicht auf Bedürftigkeit zu reduzieren. Wer über Bildung schreibt, sollte nicht so tun, als läge Verantwortung allein beim Individuum. Wer über Diversität kommuniziert, darf Repräsentation nicht als hübsches Stockfoto-Problem behandeln. Wer Spendenkampagnen entwickelt, muss emotionale Ansprache und Würde zusammendenken.

Das kann keine KI allein entscheiden.

Sie kann Vorschläge liefern. Aber die Haltung dahinter muss von Menschen kommen.

Bei Makiko nennen wir das manchmal: die richtige Dosis finden. Nicht zu glatt. Nicht zu laut. Nicht zu generisch. Sondern so, dass Kommunikation wirkt, ohne Menschen oder Themen zu vereinfachen.

KI tendiert zum Durchschnitt. Nicht, weil sie langweilig sein will. Sondern weil sie aus dem lernt, was schon da ist.

Für erste Entwürfe ist das hilfreich. Für echte Positionierung reicht es nicht.

Denn Organisationen werden nicht sichtbar, weil sie klingen wie alle anderen. Sie werden sichtbar, wenn sie eine eigene Perspektive haben. Eine Haltung. Eine Stimme. Ein klares Warum.

KI kann diese Stimme nachahmen. Aber sie kann sie nicht besitzen.

KI kann unterstützen. Aber sie sollte nicht verschwinden.

Ein besonders heikler Punkt ist nicht die Nutzung von KI selbst. Sondern die Frage, ob sie offengelegt wird.

Denn natürlich kann KI ein legitimes Werkzeug sein. Auch beim Schreiben. Auch in Politik, Journalismus, NGOs, Unternehmen oder Agenturen. Niemand erwartet ernsthaft, dass Menschen auf jede technische Unterstützung verzichten, nur damit am Ende alles schön handgeklöppelt wirkt.

Aber es macht einen Unterschied, ob KI als Hilfsmittel eingesetzt wird – oder ob ein Text als persönliche Haltung erscheint, obwohl wesentliche Teile von einer Maschine stammen.

Genau das zeigt der Fall um Mario Voigt und die FAZ. Die Zeitung entfernte einen Gastbeitrag des thüringischen Ministerpräsidenten von ihrer Website, nachdem Hinweise aufgekommen waren, dass der Text mithilfe von KI erstellt worden sein könnte. Laut Bericht verwies die FAZ auf ihre KI-Regeln: Originalbeiträge mit KI-generiertem Text würden nicht veröffentlicht, außer die KI-Nutzung sei selbst Thema und werde offengelegt. Die Staatskanzlei erklärte demnach nur, KI werde unterstützend genutzt und es gebe keine Kennzeichnungspflicht. Der Redaktion reichte das nicht.

Das Entscheidende daran ist nicht die Empörungsschlagzeile. Sondern die Vertrauensfrage dahinter.

Wenn ein politischer Gastbeitrag erscheint, erwarten Leser:innen: Hier argumentiert eine Person. Hier legt jemand eine Position dar. Hier steht jemand mit Name, Amt und Verantwortung für seine Worte ein.

Wenn aber unklar bleibt, wie viel davon wirklich eigene Gedanken sind, entsteht ein Bruch. Nicht, weil KI per se verboten wäre. Sondern weil Autorenschaft, Haltung und Transparenz verschwimmen.

Für Organisationen mit gesellschaftlichem Anspruch ist diese Frage besonders relevant. Vertrauen ist ihr wichtigstes Kapital. Wer Spenden sammelt, politische Forderungen stellt, Bildungsangebote kommuniziert oder vulnerable Zielgruppen anspricht, kann sich keine unklare Autorenschaft leisten.

Deshalb ist unsere Haltung bei Makiko: KI darf helfen. Aber sie darf nicht heimlich die Verantwortung übernehmen.

KI hat keine Verantwortung. Menschen schon.

Das klingt banal, ist aber der Kern der Sache.

Eine KI kann keinen Fehler zugeben. Sie kann nicht erklären, warum sie eine bestimmte Formulierung gewählt hat. Sie kann keine politische Verantwortung übernehmen. Sie kann nicht sagen: „Ich habe diese Entscheidung getroffen, weil ich diesen Wert vertrete.“

Das können nur Menschen.

Deshalb reicht es nicht, KI-Ergebnisse einfach zu übernehmen, weil sie „gut klingen“. Gerade dort, wo Kommunikation Wirkung entfalten soll – politisch, gesellschaftlich, sozial –, braucht es menschliche Prüfung.

Nicht nur auf Rechtschreibung. Sondern auf Wahrheit, Kontext, Tonalität, Zielgruppe, Machtverhältnisse und mögliche Folgen.

In unserer Arbeit heißt das ganz konkret: Wir prüfen KI-Outputs nicht nur sprachlich, sondern strategisch.

Passt der Text zur Organisation?
Passt er zur Zielgruppe?
Ist die Aussage belastbar?
Ist die Tonalität stimmig?
Werden Menschen würdevoll dargestellt?
Ist der Call-to-Action sinnvoll?
Trägt der Text zur gewünschten Wirkung bei?

Bei einem Spendenaufruf stellt sich zum Beispiel nicht nur die Frage: Klingt der Text emotional?

Sondern auch: Werden Menschen würdevoll dargestellt? Werden Klischees reproduziert? Wird Druck aufgebaut? Wird Armut als Kulisse benutzt? Wird Betroffenheit instrumentalisiert?

Bei einer Kampagne heißt es nicht nur: Ist die Headline klickstark?

Sondern auch: Trifft sie die richtigen Menschen? Schließt sie jemanden aus? Vereinfacht sie zu stark? Wird aus Komplexität plötzlich ein Slogan, der zwar gut aussieht, aber falsch ist?

KI beantwortet solche Fragen nicht zuverlässig. Sie weiß nicht, was für eure Organisation richtig ist. Sie kennt eure Werte nicht, solange ihr sie ihr nicht erklärt. Und selbst dann versteht sie sie nicht im menschlichen Sinn.

Sie verarbeitet sie.

Das ist ein Unterschied.

KI kann Nähe simulieren. Aber keine Beziehung aufbauen.

Ein weiteres Missverständnis: Nur weil KI menschlich klingt, kommuniziert sie menschlich.

Sie kann empathische Sätze schreiben. Sie kann Betroffenheit formulieren. Sie kann einen Ton treffen, der warm, nahbar oder persönlich wirkt.

Aber sie empfindet nichts davon.

Das ist nicht nur philosophisch interessant, sondern praktisch relevant. Denn Kommunikation ist Beziehung. Gerade bei Organisationen, die mit sensiblen Themen arbeiten, braucht es Vertrauen. Menschen merken oft sehr genau, ob ihnen wirklich zugehört wurde – oder ob ihre Lebensrealität nur in eine passende Form gegossen wurde.

Eine KI kann schreiben: „Wir verstehen eure Herausforderungen.“

Aber versteht sie sie wirklich?

Hat sie mit den Menschen gesprochen? Hat sie Zweifel gehört, Widersprüche ausgehalten, Zwischentöne wahrgenommen? Hat sie gemerkt, wann jemand zwar „alles gut“ sagt, aber eigentlich etwas anderes meint?

Nein.

Deshalb beginnt gute Kommunikation bei Makiko selten mit einem fertigen Text. Sondern mit Fragen.

Wer seid ihr?
Was wollt ihr wirklich sagen?
Wen wollt ihr erreichen?
Was soll sich durch eure Kommunikation verändern?
Und was darf auf keinen Fall passieren?

Erst dann entsteht Sprache, die nicht nur funktioniert, sondern trägt.

Was KI gut kann

Bei aller Kritik: KI ist kein Feind der guten Kommunikation. Im Gegenteil. Richtig eingesetzt kann sie enorm helfen.

Sie kann:

  • erste Ideen liefern, wenn der Kopf leer ist,
  • lange Texte zusammenfassen,
  • Varianten für Headlines oder Social Posts vorschlagen,
  • komplizierte Inhalte vereinfachen,
  • Strukturen entwickeln,
  • Perspektivwechsel anstoßen,
  • Routineaufgaben beschleunigen.

Das ist viel. Und das ist wertvoll.

Auch für kleine Teams, NGOs und soziale Organisationen kann KI ein echter Hebel sein. Gerade wenn Ressourcen knapp sind, wenn viel kommuniziert werden muss und wenig Zeit bleibt.

Aber KI ist am stärksten, wenn sie nicht als Ersatz verstanden wird, sondern als Sparringspartnerin. Als Werkzeug, das Vorschläge macht. Nicht als Instanz, die entscheidet.

Oder anders gesagt: KI darf mit an den Tisch. Aber sie sollte nicht allein das Meeting leiten.

Wie wir KI sinnvoll einsetzen können

Die spannende Frage ist deshalb nicht: Wie vermeiden wir KI?

Die spannende Frage ist: Wie nutzen wir sie so, dass unsere Arbeit besser wird – und nicht beliebiger?

Dafür braucht es weniger Technikgläubigkeit und mehr Urteilskraft. Weniger „Mach mal einen Text“ und mehr: „Hilf mir, diesen Gedanken zu schärfen.“ Weniger Output-Fixierung und mehr Verantwortung für das, was am Ende veröffentlicht wird.

Für Makiko bedeutet das: KI ist dann sinnvoll, wenn sie Raum schafft für das, was Menschen besser können. Für Strategie. Für kreative Entscheidungen. Für echte Gespräche. Für Feinschliff. Für Haltung.

Wer KI nutzt, sollte sich deshalb vor jeder Veröffentlichung fragen:

Ist das richtig?

Ist das unsere Haltung?

Ist das verständlich für die Menschen, die wir erreichen wollen?

Ist transparent, welche Rolle KI gespielt hat?

Würde ich diesen Text auch vertreten, wenn jemand kritisch nachfragt?

Und vielleicht die wichtigste Frage: Wird dieser Text besser, weil KI beteiligt war – oder nur schneller?

Fazit: Die Grenze von KI liegt dort, wo Verantwortung beginnt.

KI wird bleiben. Sie wird besser werden. Wahrscheinlich schneller, als vielen von uns lieb ist. Und wir werden weiter lernen müssen, mit ihr zu arbeiten.

Aber gerade deshalb sollten wir jetzt sauber unterscheiden: zwischen Unterstützung und Ersatz. Zwischen Effizienz und Qualität. Zwischen generiertem Text und echter Haltung.

KI kann schreiben.

Aber sie kann nicht gemeint haben, was da steht.

Sie kann Inhalte erstellen.

Aber sie kann nicht für ihre Wirkung einstehen.

Sie kann uns Arbeit abnehmen.

Aber nicht die Verantwortung.

Und vielleicht ist genau das die wichtigste Grenze: Nicht alles, was automatisierbar ist, sollte automatisiert werden. Nicht alles, was gut klingt, ist gut durchdacht. Und nicht jeder Text braucht nur bessere Prompts.

Manche Texte brauchen Menschen, die etwas zu sagen haben.

Und Organisationen, die etwas verändern wollen, brauchen Kommunikation, die mehr kann als Output: Sie braucht Klarheit, Haltung und Wirkung.

Genau daran arbeiten wir bei Makiko. Mit KI, wenn sie hilft. Ohne KI, wenn sie stört. Und immer mit dem Anspruch, dass am Ende nicht nur ein Text entsteht – sondern eine Botschaft, die wirklich trägt.

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11. Juni 2026

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