Von Startups lernen heißt schneller werden

Das perfekte Angebot entsteht nicht beim ersten Versuch. Häufig heißt es testen, testen, testen.

In vielen Startups ist das Testen von Produkten und Angeboten in iterativen Prozessen Alltag – basierend auf dem Wissen, dass Angebote sich häufig nur gemeinsam mit der Zielgruppe entwickeln lassen. Betrachtet man das Arbeiten in vielen NGO und NPO wird klar, dass dieses Vorgehen nicht nur fremd ist, sondern sich in bestehende Prozesse nicht integrieren lässt. Oft mit dem Ergebnis, dass die fertigen Angebote nicht das optimale Ergebnis bei der Zielgruppe erfüllen.

Wenn zwei Welten aufeinander prallen

NGO / NPO und kommerziell fokussierte Startups agieren in völlig unterschiedlichen Umfeldern. Während bei kommerziellen Unternehmen der Umsatz und das Wachstum das Tagesgeschäft bestimmen, wollen NGO und NPO Wirkung entfalten und Veränderung anstoßen. Diese grundsätzlich unterschiedlichen Ansprüche spiegeln sich dann auch in der Art und Weise der Prozess- und Angebotsgestaltung wider:

Startups verfolgen in der Regel eine schnelle „go to market“ Strategie. D.h. ein Produkt oder Angebot wird für eine bestimmte Zielgruppe entwickelt, mit einer geplanten Umsatzentwicklung. Dem gegenüber stehen wirkungsorientierte Unternehmen. Dort ist die Prämisse die positive Veränderungen sozialer, ökologischer oder gesellschaftlicher Herausforderung. Während Startups also ein Produkt oder Angebot immer vom Umsatz her denken, wollen soziale Organisationen primär helfen. Oft finden sich in diesen Strukturen dann zwar z.B. herausragende Pädagogen und Planer, die optimale Hilfsangebote konzipieren können. Geht es aber an die Umsetzung, ist das Know-how in den Organisationen in der Regel nicht vorhanden. Das heißt, dass Fachexpertise extern hinzugekauft wird. Nur sind diese Dienstleister häufig nicht geübt im Umgang mit „helfenden“ Angeboten. Klassische Agenturen haben üblicherweise Kunden, die Produkte verkaufen wollen und nicht einen Hilfeansatz verfolgen. Das Ergebnis sind Angebote für Zielgruppen, die fachlich seitens der Organisationen exzellent konzipiert sind und auch ansprechend von den Agenturen umgesetzt werden. Trotzdem kommt es nicht selten zu einer Diskrepanz auf Grund der unterschiedlichen Hintergründe und das volle Potenzial wird nicht ausgeschöpft. Dann zum Leid aller Beteiligten, da die intendierte Wirkung nicht optimal umgesetzt werden kann.

Minimum viable product. Und dann immer wieder testen…

Gerade die Übergabe des theoretischen Angebots an den Dienstleister kann mit deutlich weniger Reibungsverlusten mit einigen kleinen Modifikationen verbessert werden. Ganz grundsätzlich empfiehlt es sich, Angebote in iterativen Prozessen zu erstellen. Beginnend mit einem minimum viable product (MVP, also die erste minimal funktionsfähige Iteration eines Produkts) kann mit dem Testen direkt begonnen werden. Die Probanden dafür können im ersten Schritt Passanden sein, aber auch Personen, die dem Klientel der Zielgruppe entsprechen. Dabei kann ein MVP schon die zeichnerische und skizzenhafte Darstellung eines Ansatzes sein, das heißt die minimalste Umsetzung, um potentiellen Empfängern das Angebot vorzustellen. Häufig lassen sich schon mit diesen ersten Reaktionen signifikante Verbesserung an dem Angebot durchführen. Diese werden dann in eine zweite Version des MPV integriert, das u.U. bereits eine fertige Präsentation oder ein anderes Modell ist. Wieder testen an der Zielgruppe, wieder verbessern, wieder testen usw. Natürlich ist dieses Vorgehen nicht unbedingt das, was Pädagogen während ihres Studiums lernen, ist doch der Kern ihrer Arbeit die vor allem fachlich korrekte Planung und Umsetzung und nicht die Geschwindigkeit.

Die Vorteile liegen auf der Hand

Neben der frühphasigen Verbesserung des Angebots und der Identifikation potentieller Fehler oder falscher Ansätze, kommt eine Organisation im Zuge dieses Verfahrens schon sehr früh mit dem Hilfeempfänger in Kontakt. Zudem lassen sich Hilfeangebote so auch deutlich schneller entwickeln. Nach unserer Schätzungen lässt sich ungefähr 50% des üblichen zeitlichen Aufwands sparen. Allein, weil die zeitfressende Rotation interner Runden dann entfällt. Es gibt kein direkteres Feedback, als das von denjenigen, für die ein Angebot entwickelt wird, sei die eigene Expertise auch noch so groß. Dann ist auch nicht ausgeschlossen, dass ein Projekt auf der Hälfte des Weges beendet oder komplett überarbeitet wird. Selbst dieses Erlebnis erspart Frustration und hohe Kosten im Falle eines kompletten Scheiterns nach Projektschluss. Weiterhin hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass Teams (ähnlich wie bei der Nutzung von Scrum) phänomenal an Wissen und Geschwindigkeit zulegen. Trotz aller Startschwierigkeiten: Die Dynamik und Geschwindigkeit eines solchen Prozesses reißt auch den Letzten aus seiner alltäglichen Lethargie. Zu guter Letzt werden die Kosten bei der Übergabe an einen potentiellen Dienstleister drastisch minimiert. Denn je besser die eigenen Vorstellung gereift und mit Erfahrungswerten belegt sind, desto konkreter wird die Übergabe. Wissen geht dann kaum noch verloren.

In unserem alltäglichen Handeln beim Entwickeln von Hilfsangeboten (sowohl eigenen, als auch in Auftrag gegebenen) hat sich diese iterative Herangehensweise wirklich bewährt. Nicht selten bestaunen andere Organisationen uns und unsere Kunden, verwundert über die Möglichkeiten die solch ein Verfahren bereitstellt und die (oft nicht ausgeschöpften) Potentiale der eigenen Teams.

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